Tagungsbericht „Exegesis without authorial intention? Approaches to textual meaning

Bedeutet ein Text etwas? Und wenn ja: Wer bestimmt, was das ist? Der Autor und seine Intention, die Lesenden, die Struktur des Textes, der ursprüngliche Kontext,…? Wenn nein: Brauchen wir Grenzen der Interpretation? Was würde es bedeuten, wenn es keine solche Grenzen gibt?

Drei Tage lang haben sich Exeget_innen und Literaturwissenschaftler_innen mit Fragen der Bedeutungskonstitution in Texten auseinandergesetzt. Diese wurden vor allem aus der Perspektive postmoderner Theorien, d.h. aus einer Perspektive, die nicht von der wesentlichen Rolle der Autorintention für die Bedeutungskonstitution ausgeht, behandelt. Das theoretische Spektrum war sehr breit. Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Theorien vom impliziten Autor, der Rezeptionsgeschichte als Produktionsgeschichte, von Theorien Jacques Derridas, Michel Foucaults, Gilles Deleuzes, Julia Kristevas und Paul de Mans wurden herausgearbeitet. Der Autor als Choreograph, als Zeuge und Verweis, als impliziter Autor und Faktor im Prozess der Kanonisierung kam in den Blick.

Dabei war es schön zu beobachten, wie eine erste interdisziplinäre Unsicherheit, ob Literaturwissenschaft und Theologie verbunden werden können, sich schnell in eine aufgeweckte, intensive und respektvolle Diskussionsrunde verwandelte.

Alle Beteiligten aus Großbritannien, den USA, Deutschland, Danzig, Innsbruck und Wien konnten viele Impulse für ihre Forschung mitnehmen. Die entstandene Gruppe aus an postmodernen Theorien und hermeneutischen Fragen Interessierten verspricht, auch in Zukunft vernetzt zu bleiben. Ein Band mit den gesammelten Vorträgen ist in Planung.